Di
17
Aug
2010
Wir feiern unsere 25. Veröffentlichung zusammen mit dem Kook-Label und einer Schallplatte: Bookends. Auf Vinyl! In den Wochen bis zum Release der LP stellen wir Euch die Musiker und Ihre Geschichten vor. Diesen Freitag (20.8.) erscheint Bookends - heute stellen wir vor: Gisbert zu Knyphausen.
"Neues Jahr" hieß unser erster Berührungspunkt mit dem Herrn von und zu. Diese Beschreibung eines Paares und ihrer Silvesternacht, dazu die einprägsame Stimme, es passte alles.
Kaum zu glauben, dass das erst zwei Jahre her ist - soviel ist inzwischen um Gisbert zu Knyphausen passiert. Sein zweites Album "Hurra! Hurra! So nicht." wird jetzt überall gefeiert, die Konzert sind schnell ausverkauft. Kein Wunder bei solchen Hymnen fürs neue Jahrzehnt, allen voran das wunderbare "Kräne":
Am allermeisten freut uns, dass Gisbert zu Knyphausen auf Bookends mit dem bisher unveröffentlichten Song "Wer du bist" vertreten ist, seiner Coverversion eines Stücks von daantje & the golden handwerk, das in Knyphausens Version leise anfängt, dann aber immer mehr an Dringlichkeit und Sog gewinnt. Ganz großartig.
Als Vorgeschmack hier noch das brandneue Video zu "Hurra! Hurra! So nicht."
Bookends
Mit: Norman Palm, ClickClickDecker, Rosalie und Jakob, Spaceman Spiff, Julian Gerhard, Jan Böttcher, Wolfgang Müller, Fön, Gisbert zu Knyphausen und Vierkanttretlager.
Erscheint am 20.08. 2010.
Man kann jetzt schon bei uns vorbestellen. Und nur, wer bei uns bestellt, kriegt den MP3-Download-Code dazu.
Do
12
Aug
2010
Wir feiern unsere 25. Veröffentlichung zusammen mit dem Kook-Label und einer Schallplatte: Bookends. Auf Vinyl! In den Wochen bis zum Release der LP stellen wir Euch die Musiker und Ihre Geschichten vor. Heute mit ClickClickDecker:
ClickClickDecker (Foto: Jan Kruse)
An ClickClickDecker kam man irgendwie nicht vorbei. Zuerst waren da überall zerfledderte Plakate an den Hauswänden der üblichen Hamburger Stadtteile mit diesem seltsamen Namen darauf. Dann fingen die ersten Freunde an, ihn zu raunen. Spielten einem die Lieder vor. Sprachen seine Texte nach. Hatten im Auto nur noch ein Album auf Repeat. "Nichts für ungut" hieß es, und darauf versammelt waren die schönsten Songs über alles - über die Nacht, die Städte, das Ankommen, die Liebe und den ganzen Rest.
2009 kam dann das neue Album "Den Umständen entsprechend" (erschienen beim Überlabel Audiolith). Auf diesem Album ist auch der Bookends-Beitrag "Dialog mit dem Tölpel" enthalten, ein wunderbares Stück mit einem Text, der aus nur vier Sätzen besteht, eine minimalistische Hymne an die Gelegenheit.
Vom gleichen Album hier die Single "Händedruck am Wendepunkt":
Aber Kevin Hamann, wie ClickClickDecker mit bürgerlichem Namen heisst, hat anscheinend zuviel Freizeit. Sonst wäre es nicht erklärbar, dass er nebenbei noch zwei weitere ganz unterschiedliche musikalische Projekte verfolgt: Zum einen wäre da My First Trumpet, Hamanns Instrumentalprojekt, bei dem er viel experimenteller und elektronischer zu Werke geht (man kann sich das ganze Album hier kostenlos herunterladen).
Zum anderen (und ebenfalls auf Audiolith) sind da natürlich noch Bratze, DIE Elektro-Feier-Überband der letzten Jahre. Zusammen mit Norman Kolodziej ("Der Tante Renate") hat Hamann hier die perfekte Kombination aus Songwriter-Pop und Elektrobeats erfunden. Wer das mal live erlebt hat, weiß, wovon die Rede ist. Jetzt schon ein Klassiker der 00er-Jahre, das Video zu "D.U.T.T. Royal":
Fr
06
Aug
2010
Wir feiern unsere 25. Veröffentlichung zusammen mit dem Kook-Label und einer Schallplatte: Bookends. Auf Vinyl! In den Wochen bis zum Release der LP stellen wir Euch die Musiker und Ihre Geschichten vor. Heute mit Spaceman Spiff :
Irgendwann im letzten Winter waren wir für eine Veranstaltung in der Kieler Leselounge zu Gast. Draußen regnete es amtlich, drinnen reichte man Kekse, warme Getränke und freundliches
Lächeln. Nach der Lesung gab es noch einen musikalischen Beitrag, an diesem Abend von einem gewissen Spaceman Spiff, von dem wir nie zuvor gehört hatten. Da stand dann dieser
junge Herr auf der Bühne und sagte: "Schön, dass ihr da seid. Auf der Skala von 1 bis geil: Richtig geil!" Da waren wir schon hin und weg.
Als er dann aber anfing zu singen, waren wir dann doch nochmal überrascht: Wo hatte dieser 23-jährige all diese Tiefe, diese Lebensweisheit her, dieses Gespür für tolle Texte und feine Melodien
und dafür, wie man sie so großartig kombiniert? Mir jedem Song wurde es stiller, der Applaus dann umso lauter. Die Gäste gingen dann irgendwann nach Hause, aber sicherlich postete an jenem Abend
jeder der Dagewesenen seinen Lieblingssatz als Facebook-Status. Denn Lieblingssätze gibt es beim Spaceman mehr als genug.
Und das Mädchen macht die Augen zu und lauscht
hey, hör mal her
merkst Du nicht, das ist die Autobahn die rauscht
und nicht das Meer
Noch am selben Abend wurde beschlossen, dass wir mit Hannes Wittmer, wie der Spaceman heißt, unbedingt zusammenarbeiten würden.
Kurze Zeit später gab er ein denkwürdiges Konzert in der "Hasenschaukel" in Hamburg. 100 Leute waren an diesem Abend da, und alle, alle konnten die Texte der Spaceman-Songs mitsingen. Das Musikmagazin mainstage.de hat daraufhin sogar eine kleine EP von dem Abend veröffentlicht, die man sich hier kostenlos herunterladen kann.
Noch mehr Songs von Spaceman Spiff kann man auf seiner myspace-Seite anhören.
Für sein 2011 erscheinendes zweites Album hat Spaceman Spiff jetzt auch Gastmusiker an Streichern, Glockenspiel und diversen anderen Instrumenten eingeladen. Hier ein erster Eindruck, wie das werden könnte, der Song "Yellow Brick Road", live im Wohnzimmer:
Auf Bookends ist Spaceman Spiff mit dem Song "Schnee" vertreten, in dem nicht nur die Erinnerung an eine verlorene Liebe thematisiert wird, sondern vor allem das Gefühl, weiter zu müssen und wegzugehen. Mit wenigen, schönen Worten viel gesagt:
Du und ich und eine Schneeballschlacht
Wir bewerfen uns mit Schnee von gestern
Du wirfst wie ein Mädchen
aber triffst, wo es wehtut
Und im Dezember 2010 geht Spaceman Spiff mit Finn-Ole Heinrich auf Tour - mehr dazu in Kürze.
Jedenfalls hoffen wir, dass sich auch dann wieder Zeit für kleine Nachmittagskonzerte im Park finden wird:
Bookends kann man jetzt schon bei uns vorbestellen. Und nur, wer bei uns bestellt, kriegt den MP3-Download-Code dazu.
Mi
04
Aug
2010
Finn-Ole Heinrich hat aus Island zwei wunderbare Clips mitgebracht. Musik ist von Spaceman Spiff.
Here we go:
Mo
02
Aug
2010
Wir feiern unsere 25. Veröffentlichung zusammen mit dem Kook-Label und einer Schallplatte: Bookends. Auf Vinyl! In den Wochen bis zum Release der LP stellen wir Euch die Musiker und Ihre Geschichten vor. Heute mit Wolfgang Müller und Jan Böttcher:
Wolfgang Müller sammelt Sätze anderer Leute.
"Ich kann die Muskeln zucken sehen in ihrem Gesicht, wenn es sie juckt - und es juckt sie nicht", das ist so einer. Oder auch: "Du erinnerst dich an deine Träume, ich weiss immer nur dass ich
schlief." Diese und viele andere Fundstücke findet man auf seiner Webseite. Und wenn man sich dann seine eigenen Songtexte
anhört, dann möchte man eigentlich sofort eine eigene Rubrik aufmachen: "Die besten Sätze Wolfgang Müllers". Ein erster Eintrag muss dann natürlich der Refrain seines Bookends-Beitrags
"Unterschiedlich schwer" sein:
Ich mag dich gerne lächeln sehen
von der Seite
so dass du es nicht bemerkst
auf der Strasse zwischen Leuten
gehen wir wie selbstverständlich
nebeneinander her
aber immer unterschiedlich schwer
Hier noch ein anderer Song von ihm: "Oktober":
Vor einigen Jahren hatte in Hamburg noch die Schilleroper geöffnet. Wenn man dort am Tresen stand, passierte es einem eigentlich fast immer, dass die Betreiber einen in ein langes Gespräch
verwickelten, und meistens ging es über Literatur. Oder Musik. Oder beides. Die meistgestellte Frage war: "Hast du jetzt endlich mal die Platte von Herr Nilsson gehört?"
Was wir damals noch nicht wussten: Der Sänger dieser inzwischen aufgelösten Band,
Jan Böttcher, ist auch ein grandioser Autor. Sein erstes Buch "Lina oder: Das kalte Moor" (erschienen bei
Kookbooks) war eine der schönsten, ruhigsten und anrührendsten Geschichten aus Norddeutschland überhaupt. Inzwischen hat er noch einige Romane geschrieben, zuletzt "Geld oder Leben" und
"Nachglühen" (beide bei Rowohlt).
Und er hat ein Soloalbum aufgenommen: "Vom anderen Ende des Flures", erschienen bei eben jenem Kook-Label, das
dankenswerterweise auch uns bei Bookends unter die Arme greift.
(c) Timm Kölln
Auf Bookends ist Jan Böttcher mit "Beruflich in der Stadt" vertreten - ein Song, in dem eher gesprochen wird, ein Telefonat in Reimen, ER ist in der Stadt, SIE hat nen
Schlafplatz, da könnte ER doch mal vorbei kommen. Bisschen ausspannen. Richtiges Bett? Schmiedeeisern? ER bringt ne Flasche Wein mit. - Leicht zynisch, auf den Punkt beobachtet und sehr
unterhaltsam.
Mehr von Jan Böttcher auf seiner Webseite.
Mo
26
Jul
2010
Wir feiern unsere 25. Veröffentlichung zusammen mit dem Kook-Label und einer Schallplatte:
Auf Vinyl! In den Wochen bis zum Release der LP stellen wir Euch die Musiker und Ihre Geschichten vor. Heute mit Rosalie und Wanda:
(c) Monika Eberle
Sie will tanzen, ganz besonders mit ihm. Es ist sein letzter Abend in der Stadt. Sie ist ein bisschen aufgeregt, und vor lauter Aufregung fällt ihr alles nur noch auf Englisch ein:
"Willst Du mit mir ausgehen?
Ich sagte gleich: Yes, yes, of course.
Du dann: Passt Dir neun?
Ich: Better ten. Would you please pick me up?
Kannst Du denn Deutsch?
No, I'm sorry, but I will try."
Gleich beim ersten Hören waren wir ein bischen verknallt in die charmante Musik von Rosalie und Wanda. Von den Siebzigern bis heute spannt sich ihr Sound, Kurt Weill und Elektro sprechen eine gemeinsame Sprache und darüber erzählt Rosalie ihre Geschichten auf eine wunderbar leichte, coole und poetische Art.
Wir freuen uns also ganz besonders, dass es mit ihrem Beitrag für Bookends in letzter Minute noch geklappt hat: "Pferdi". In dem Stück, dass die Band noch unter ihrem alten Namen Rosalie und Jakob aufgenommen hatte, liegt ein fast schon HipHop-artiger Beat mit Gitarre und Glocken unter der Geschichte vom Ritt durch einen märchenhaften Wald. Ganz groß.
Genauso schön sind die beiden folgenden Videos, musikalisch eine etwas andere Richtung, aber der sehr individuelle Charakter von Rosalie und Wanda wird schön portraitiert:
Das zweite Video, "Insel", ist Teil der Restgeräusch Sessions, die das sehr empfehlenswerte Online-Magazin Rote Raupe aufnimmt. Dort gibt es noch viele weitere Videos von unterschiedlichen Bands, wie etwa Slut, Me Succeeds, Die Sterne oder Pelzig.
Hoffentlich fortgesetzt wird auch die Reihe "Zur schönen Aussicht", die Rosalie und Wanda im Münchner Volkstheater hosten und bei der sie Einblicke in die junge Münchner Kulturszene geben und zu Lesungen, Konzerte, Filmen und mehr einladen.
Mehr über Rosalie und Wanda auf ihrer Webseite.
Bookends kann man jetzt schon bei uns vorbestellen. Und nur, wer bei uns bestellt, kriegt den MP3-Download-Code dazu.
Mi
21
Jul
2010
Wir feiern unsere 25. Veröffentlichung zusammen mit dem Kook-Label und einer Schallplatte: Bookends. Auf Vinyl! In den Wochen bis zum Release der LP stellen wir Euch die Musiker und Ihre Geschichten vor. Heute mit Vierkanttretlager und Julian Gerhard:
Vierkanttretlager - vier blonge Jungs, aus dem Norden natürlich. Aus Husum, um genau zu sein. Dort gehen sie vermutlich auch alle noch zur Schule, zumindest dauert es noch ein bisschen, bis sie 20 Jahre alt werden. Davon merkt man auf Ihrer ersten EP "Penzion Kanonir" (Cobretti Records) allerdings nix - in ihrem Bookends-Stück "Schluss aus raus" wird selbstbewusst gerockt, die Stimme ist viel tiefer, als man das erwartet hätte und die Texte sind frisch und auf den Punkt. Waren Tomte am Anfang auch so gut? Unwahrscheinlich. Wir sind sehr gespannt, was da noch kommt - und freuen uns, die vier jetzt schon auf Bookends dabei zu haben.
Mehr von Vierkanttretlager.
Julian Gerhard erinnert uns an irgendwen. Diese hektische, leicht brüchige Stimme, die hat doch was von Tom Liwa oder von Kristof Schreuf. Die Musik außenrum, die hat doch was von Bright Eyes oder frühen Blumfeld. Und dann auch wieder nicht. Julian Gerhard baut da an einem doch ziemlich eigenen Sound, und dann erst die Texte:
"Hatebreed zum Frühstück" oder "Wenn einer von uns stirbt, zieh ich nach Italien" - wenn einer so seine Songs nennt, der hat doch schon halb gewonnen. Und mit dem Albumtitel „Wenn du hier eh nur
rumstehst, kannst du auch auf die Jacken aufpassen“ (Omaha Records) sahnt Julian Gerhard dann komplett unsere Sympathie ab. Hm, Sahne.
Sein Beitrag auf Bookends heißt "Lichtmaschine" und zeigt Julian Gerhards Entwicklung vom Singer-Songwriter hin zur Klanggruppe, wie es auf seiner Webseite heißt - drei
weitere Musiker sind jetzt mit an Bord, zusammen kloppen sie Sounds hoch, und Julian Gerhard führt uns hektisch säuselnd an der Hand durch ein paar schöne Räume.
Mehr zu Julian Gerhard auf seiner Webseite. Und weil es im Internet ja immer alles umsonst gibt, kann man sich hier 5 andere Stücke von ihm einfach runterladen:
http://www.juliangerhard.de/listen/jg_wenn_einer_von_uns_stirbt.zip
Bookends kann man jetzt schon bei uns vorbestellen. Und nur, wer bei uns bestellt, kriegt den MP3-Download-Code dazu. Sollte man mal erwähnen.
Fr
16
Jul
2010
Grain & Gram, das "Gentleman's Journal", hat ein ziemlich schönes Interview mit Nick Sambrato. Sambrato betreibt in Orlando den "Mama’s Sauce Print Shop".
Tja, so sah das früher aus, das Gedrucke. Kann man sich jetzt kaum noch vorstellen, wenn man nur noch PDFs am Bildschirm erstellt und vier Wochen später kommen saubere, fertige, eingeschweißte Bücher an.
Schönes Video auch, vom Herrn Sambrato in seiner Schürze:
Do
15
Jul
2010
Nachdem letztes Jahr in einer Guerilla-Aktion 20 Indie-Verlage die Hotlist ausriefen, ist das Ganze dieses Jahr zum offiziellen Preis der Independent Verlage geworden. In einem leicht komplizierten Verfahren werden am Ende 15 Titel auf der Hotlist 2010 landen, aus der eine Jury den Sieger ermitteln wird - der Preis der Hotlist ist mit 5.000,- Euro dotiert!
Ihr könnt auch mit abstimmen, wer auf die Hotlist kommt - denn der mairisch Verlag ist mit Donata Rigg und ihrem Roman "Weiße Sonntage" dabei!
Hier gehts zur Abstimmung:
http://www.freitag.de/hotlist2010#9783938539163
Dankeschön.
Mo
12
Jul
2010
Finn-Ole Heinrich war im Mai für eine Woche in Island. Zusammen mit Nora Gomringer und Bas Böttcher sowie drei jungen isländischen Autoren erkundeten sie die Welt der Sagas und Mythen, um daraus für 2011 ein Programm auf deutsche Bühnen zu bringen. Hier ein kleines Video von der Tour:
So
11
Jul
2010
Wir feiern unsere 25. Veröffentlichung zusammen mit dem Kook-Label und einer Schallplatte: Bookends. Auf Vinyl! In den Wochen bis zum Release der LP stellen wir Euch die Musiker und Ihre Geschichten vor. Heute mit der Band Fön:
An viel zu heißen Sommernachmittagen kann man sich natürlich einfach mit Getränken vor den Fernseher setzen und träge die Tour de France, alte Sandalenfilme oder den Bachmannpreis verfolgen. Meistens passiert dabei wenig überraschendes: Die Favoriten gewinnen.
Um so aufregender, wenn es dann doch mal anders läuft. Beim Bachmannpreis zum Beispiel gab es hin und wieder solche Ereignisse, an die wir uns noch sehr gut erinnern: Eines davon war die Lesung von Tilman Rammstedt mit einem sowas von mitreißenden Text, der auch noch so sympathisch vorgetragen wurde, dass man sofort wußte, dass er mindestens den Publikumspreis gewinnen würde. Dass am Ende der Abstimmung sogar der große Bachmannpreis dazukam, hat uns um so mehr gefreut. Der von Rammstedt gelesene Text war ein Ausschnitt aus dem später bei DuMont erschienenen Roman "Der Kaiser von China", für den es einen der besten Buchtrailer ever gibt:
Tilman Rammstedt ist nebenbei auch Mitglied in der Band Fön. Mit ihm spielen darin noch die Schriftsteller Michael Ebmeyer und Florian Werner und der Songschreiber Bruno Franceschini. Treffend heißt es dann auch auf der Website: "Bei Fön finden Literatur und Musik zueinander und mögen sich dann auch so richtig." Der Satz passt so gut zu Bookends, den könnte man fast aufs Cover schreiben.
In dem Stück "Wir haben Zeit", mit dem Fön auf Bookends vertreten sind, wird die gleiche, übertriebene und rasante
Phantasiemaschine angeworfen wie in Rammstedts Roman. Innerhalb von 4:55 Minuten macht man eine Weltreise, so wie der Protagonist in "Der Kaiser von China", der in einem Gartenschuppen unter
einem Tisch sitzend eine gesamte Chinareise imaginiert. Alle, die sich schon mal vorab von Tilmann Rammstedt anfixen lassen wollen, können sich hier in einen "adäquaten Menschen" verwandeln und mit Tilman Rammstedt, Krawatte und Tischtennisschläger einen Abend lang
durch Berlin ziehen. Gibt’s auch als mp3-Download. Danach will man eh alle Bücher kaufen und lesen und das empfehlen wir sowieso.
Bookends kann man jetzt schon bei uns vorbestellen.
Do
01
Jul
2010
-
JUBILÄUM, Jubiläum! Wir feiern unsere 25. Veröffentlichung mit einer Schallplatte: Bookends. Auf Vinyl!
Warum ausgerechnet eine Schallplatte? Und warum Musik?
Weil es den mairisch Verlag ohne deutschsprachige Liedtexte nicht gäbe. Songtexte haben auf das Schreiben unserer Autoren und auf uns selbst schon immer großen Einfluss – sie sind zu wahren Bookends (Buchstützen) geworden. Außerdem muss einfach mal laut gesagt werden, dass Songtexte Literatur sind und dass man das nicht nur über Bob Dylan sagen kann. Beste Beispiele sind die 10 Stücke auf Bookends.
Mit Songwritern wie Gisbert zu Knyphausen, ClickClickDecker und Jan Böttcher sind einige bekanntere Namen vertreten, daneben gibt es junge, bisher noch weitgehend unentdeckte Musiker mit tollen Texten. Erscheinen wird die LP in Kooperation mit den überaus geschätzten Kollegen von Kook, vertrieben wird sie über Broken Silence.
In den Wochen bis zum Release der LP stellen wir Euch die Musiker und Ihre Geschichten vor. Los geht's mit:
Wir sind auf Norman Palm aufmerksam geworden, seit er auf der Leipziger Buchmesse vor einigen Jahren sein selbstgestaltetes Buch "Songs" vorstellte. Inzwischen ist das Buch auf 200 Seiten angewachsen, zu jedem der 12 Kapitel gibt es einen Song, die alle auf seinem Album zu hören sind. Hier ein Video zum Buch, mit dem Song "Floating Around":
Nicht fehlen darf hier natürlich auch das Karaoke-Video zu Norman Palms toller Cover-Version von "Girls just wann have fun":
Diese Woche erscheint Norman Palms 2. Album "Shore to Shore" (City Slang). Mehr von Norman Palm gibt es auf seiner Webseite www.normanpalm.com
Auf Bookends haben wir exklusiv seinen einzigen deutschsprachigen Song "Hollywood".
Erzählt wird darin von der Autofahrt eines Pärchens durch Los Angeles. Die Sonne scheint, am Strand sehen sie den Surfern zu, sie gehen auf dem bekannten Boulevard spazieren und treffen Freunde. Eigentlich klingt alles nach einem perfekten Urlaub, doch irgendwas scheint nicht zu stimmen: Sie weint, an seiner Seite. Da werden die beiden auf einmal von Robert de Niro angesprochen …
Eindeutig einer unserer liebsten Sommersongs, perfekte Melancholie. Ideal für die Autofahrt zum nächsten Campingplatz in Frankreich, Italien - oder eben Hollywood.
Bookends kann man jetzt schon bei uns vorbestellen.
Mi
23
Jun
2010
Endlich ist es soweit - unsere Herbst-Vorschau ist fertig geworden!
Ein wunderbarer Roman von Donata Rigg, ein tolles Hörbuch mit Musik und als unsere #25 eine Jubiläumsplatte! Auf Vinyl!
Wir freuen uns auf drei ganz besondere Veröffentlichungen - hier die ersten Eindrücke:
Di
22
Jun
2010
"Hard Rock, Tanz und Kistentürme" - in den nächsten Wochen finden einige interessante Veranstaltungen statt, an denen Claude Draude (Softwareherz) mitwirkt. Hingehen, es lohnt sich!
25.-27.06.2010
Im Rahmen von 48h
Neukölln
zeigt Weichzeichen eine Raumskulptur aus Kartons und Kisten zum Öffnen, Schließen, Gucken, Anfassen und Riechen
Atelier von Seckendorff & Wunstorf, Weserstr. 44, 10247 Berlin
28.06.2010
MASCHINENWINTERRESONANZ
Radiofeature von Barbara Eisenmann und Frieder Butzmann
23:05h, wdr3
01.07.2010
FREQUENZEN # 3 - In Memoriam - Kazuo Ohno
Frequenzen ist eine neue Improvisations-Reihe im Exploratorium Berlin, die an den einzelnen Performance-Abenden unter wechselnder Besetzung und Themensetzung Grenzbereiche und Schnittmengen von
Klang und Bewegung erforscht und nach neuen Begegnungen zwischen den Künsten, Künstlern und Publikum sucht.
Anna Barth + TanzArt Labor
Tanz/Performance: Anna Barth, Ana Carbia, Birgit Hülsemann, Claude Draude, Susanne Hermann
Stimme: Barbara Bachinger - Live-Klang: Thomas von Arx
Bettina Mainz + Body of Becoming
Tanz/Performance: Iris Jäger, Tobias Scheucher
Klang/Stimme - Bettina Mainz
Ort: Exploratorium Berlin, 20-22h, Mehringdamm 55 (Sarotti-Höfe), 1. Hof, 3. OG
10961 Berlin-Kreuzberg
04.07.2010
My Private Monsters of Rock
Eine sonntägliche Teestunde, die der Liebe zum Hard Rock gewidmet ist - und die zugleich der Frage nachgeht, warum dieser, insbesondere in den Spielarten AOR / Arena Rock / Poser Rock in urbanen
Hipness-Nischen so wenig rezipiert und repräsentiert scheint.
Für die Ausstellung sex®shop wurde ein Raum der Städtischen Galerie Bremen zu einem temporären Schallplattenladen umgestaltet. Im Rahmen der Ausstellung spricht Claude Draude über Hard Rock,
Sehnsucht, Klein-und Großstädte und spielt ihre liebsten Hymnen.
Städtische Galerie Bremen, 17h
Buntentorsteinweg 112
28201 Bremen
17.07.-08.08.2010
Ausstellung Ganze / Teile
Schuckert-Höfe / Berlin-Treptow
Do
17
Jun
2010
Letzte Woche, im Zuge der Altonale, eine Lesung an einem schönen, grünen und nach Kräutern duftenden Ort: Der Galerie Entwurf-Direkt in Hamburg-Altona. Hier ein paar Eindrücke:
Mo
14
Jun
2010
Schöne kurze Doku übers Fanzine-Machen. Erinnert uns an unsere ersten Hefte, die wir gemacht haben, "Flugbilder", "Der verreckte Sauhund" und andere - niemals mehr als 100 Stück, viel direkt im Kopierladen geschnitten, dann nach Hause getragen, Freunde angerufen, einer holt Eis, die anderen sortieren, kleben und tackern. Abends ist alles fertig. Heute macht man das ja eher im Internet, klar. Trotzdem schön. "Like, like".
Cut & Paste from Melissa Campbell on Vimeo.
Mi
12
Mai
2010
"The air was soft, the stars so fine, the promise of every cobbled alley so great I thought I was in a dream" hat Jack Kerouac geschrieben, als er nach San Francisco kam. Dieser Satz ist jetzt eingraviert in der Mitte der winzigen Jack Kerouac Alley, die ChinaTown mit NorthBeach verbindet. Ein guter Start für meinen Besuch bei City Lights Books:
San Francisco ist seit Jahrzehnten einer der literarischsten Orte der Welt, und dass das so ist, ist nicht zuletzt City Lights Books zu verdanken. Gegründet 1953 von Lawrence Ferlinghetti und Peter Martin, wurde City Lights zu einem der wichtigsten Verlage & Buchläden der USA - viele große Werke der American poetry erschienen hier, so etwa Lunch Poems von Frank O'Hara oder Howl von Allen Ginsberg.
Berühmt wurden City Lights dann auch sogleich durch den gewonnenen Prozess, als 1957 Howl wegen Obszönität verboten werden sollte - das Ergebnis dieses Prozesses hat nicht zuletzt zu einer Neuformung der literarischen Freiheit in den USA geführt. Seitdem versuchen City Lights, diese Position des progressiven und aktivistischen Verlags weiterzuführen. Im Buchladen werden daher vor allem Bücher aus unabhängigen Verlagen verkauft. Und der Verlag veröffentlicht neben Prosa und Lyrik auch viele Bücher zu sozialen und politischen Themen.
Drei Stockwerke hat der Laden, ich schlängele mich um viele Regale und Ecken herum und gehe dann hoch. Zwischen dem Poetry Room und dem Little Press Alcove geht's ins Büro des Verlags.
Meine Gesprächspartnerin ist Stacey Lewis, die Presse und Marketing leitet. Das Team des Verlags ist überraschend klein, nur etwa 6 Leute arbeiten hier, es werden auch nur 12-15 Bücher pro Jahr veröffentlicht, ein Teil davon übrigens Lyrik. Das Team übernimmt auch die Pressearbeit und organisiert viele Veranstaltungen im Haus, aber nicht so viele Lesereisen außerhalb der Bay Area, weil Veranstalter in den USA keine öffentlichen Fördermittel bekommen und also nicht gut Reisekosten und Honorare zahlen können.
Veröffentlicht werden meist Taschenbücher, aber es wird auch hier Wert auf gute Gestaltung gelegt, um die Bücher wertiger zu machen. Hier einige der Neuerscheinungen:
Stacey erzählt von den Schwierigkeiten, mit denen kleine Verlage hier zu kämpfen haben, und das sind, wie in Deutschland, vor allem die großen Buchketten: Allen voran haben Barnes & Noble, die seit den frühen 90er Jahren groß sind, viele kleine Buchläden verdrängt und setzen immer mehr auf Mainstream-Titel. Und wie in Deutschland sind auch hier die Positionen auf den Verkaufstischen teuer und daher nur für Großverlage überhaupt erreichbar. Die Buchladenkette Borders, die eigentlich sogar zunächst einen Schwerpunkt auf Programme von Kleinverlagen gesetzt hatte, ist nachgezogen.
City Lights-Bücher erscheinen in Startauflagen von 2.000 bis 10.000 Exemplaren, wobei viele Titel (Chomsky, Wise) auch teilweise mehrmals nachgedruckt werden. Allerdings kaufen die Leser Bücher wohl eher nach dem Autorennamen - "City Lights kennen die meisten eigentlich eher als Buchladen", sagt Stacey, "nur bei den Beat-Lesern ist das natürlich anders, die kaufen City Lights".
Und wie ists mit dem Internet, wie geht es da für den Verlag in den nächsten Jahren weiter?
"Für uns ist es eher ein Problem, dass viele kleine Buchläden verschwinden, nicht so sehr das Internet. Internet is not a threat, it's a reality", sagt Stacey. Auch in Zukunft sei es einfach nötig, dass jemand Inhalte findet, filtert, aufbereitet und vermittelt. "Theoretisch kann man ja im Internet alles kriegen, aber woher weiß man, was man überhaupt suchen soll, wie kommt man drauf? Es braucht auch weiterhin die Verlage, um die Leser auf die Inhalte aufmerksam zu machen."
Genauso ist es ihrer Ansicht nach auch mit den Feuilletons, und seien es auch nur Blogs: "There is a place for tastemakers", sagt sie, "wenn man etwas nicht gerade persönlich empfohlen bekommt, möchte man Rezensionen doch zumindest am liebsten von Experten lesen, von Journalisten, die das Buch wirklich vermitteln und beurteilen können."
Und wie nutzen sie selbst das Internet?
"Über unseren Webshop verkaufen wir alle Bücher mit 30% Rabatt (es gibt ja keine Buchpreisbindung), daneben verschicken wir natürlich Newsletter, bieten einen Podcast an und nutzen Facebook und Twitter."
Nur beim Thema Ebooks sind City Lights eher noch zurückhaltend, meint Stacey, das werde dann irgendwann schon noch rechtzeitig kommen, wenn klar ist, wie das ganze Modell im Handel überhaupt
aussieht - "das sollen die großen Verlage erstmal austesten", lacht sie.
"Weißt Du, das ist wie bei der Panik, die damals alle bei Einführung der CD-ROM gemacht haben. Und jetzt kommen wieder alle diese Leute wegen der Ebooks - aber das sind meistens einfach keine
Buchleute. Natürlich muss man auch als Verleger aufs Wirtschaftliche schauen, aber man kommt doch aus einem anderen Hintergrund und geht mit einer anderen Einstellung und anderen Erwartungen an
die Sache ran. Wenn die Leute gerne Ebooks lesen wollen, ist das kein Problem, aber wie machen auch einfach sehr gerne weiter Bücher."
Für den Abend lädt mich Stacey dann noch einer Lesung von Michael McClure ein, einem der letzten "Beats". Der Mann schreibt und performt seit 55 Jahren Poetry. Und der Laden ist total voll.
Zuhause fällt mir dann auf, dass City Lights 2010 von Publishers Weekly zum "Bookseller of the Year 2010" gewählt wurden.
Und wer mal da ist: Um die Ecke gibt's das Caffe Trieste, auch ein so Hotspot der Beat Generation - und einen guten Espresso bekommt man da auch. North Beach Italian Style eben.
Di
11
Mai
2010
Wir freuen uns - Stevan Paul ist mit seinem Foodblog Nutriculinary.com für den Grimme Online Award 2010 in der Kategorie Kultur und Unterhaltung nominiert! Aus 2000 Webseiten und Blogs wurden 23 ausgewählt, die Begründungen kann man hier lesen.
Neben dem Grimme Online Award, der von einer Jury ausgelobt wird, besteht für die Nominierten zusätzlich die Möglichkeit von den LeserInnen und Lesern selbst mit dem Publikumspreis ausgezeichnet zu werden. Abgestimmt wird bis zum 23. Juni online bei TV Spielfilm: TV Spielfilm Grimme Online Award Publikumspreis-Voting
Mi
05
Mai
2010
Kommenden Sonntag findet ab 11 Uhr in Hamburg das erste unabhängige Literaturfestival statt. (Kulturhaus III&70, Schulterblatt 73) Von 11 bis 22 Uhr werden der mairisch Verlag und andere
unabhängige Verlage vor Ort sein und ihre Verlagsprogramme vorstellen. Außerdem gibt es von Sonntag bis
Dienstag Abend richtig viele Lesungen: Andreas Stichmann liest am Montag; Michael Weins am Dienstag. Hinkommen!
Mi
21
Apr
2010
Daniel Beskos
"Fidel Castro LIEBT Schokomilkshakes. Damit fing alles an. Die CIA versuchte in den 70ern (angeblich), ihn mit einem vergifteten Milkshake zu beseitigen, Castro trank den Shake auch. Es klappte aber nicht, weil derjenige, der das Gift einfüllen sollte, es sich dann doch nicht getraut hat. Fidels Version ist allerdings, dass er den Shake getrunken und aufgrund seiner überragenden Stärke einfach überlebt hat.
10 Jahre später saß Castro dann in den USA im Pentagon, es ging in wichtigen Gesprächen um einen Gefangenenaustausch. Er wollte zunächst gar nicht darauf eingehen, weil er sagte, er könne hier keinem vertrauen, da die USA versucht hätten, ihn mit dem Milkshake zu vergiften. Die verdutzen Beamten recherchierten, sagten dann: Wir wissen davon, aber wir haben damit nichts zu tun. Erst dann konnten die Gespräche losgehen."
Michael Hoerger erzählt diese Geschichte, er hat sie lange recherchiert. Sie ist nur eine von vielen Geheimakten, die irgendwie mit einem Essen oder Lebensmittel zu tun haben, und die jetzt erstmals versammelt sind in dem Buch Edible Secrets, das bei Microcosm Publishing erscheinen wird.
Microcosm Publishing, der Verlag, den ich heute besuche, sind 1996 aus einem Fanzine-Vertrieb entstanden und haben irgendwann angefangen, auch eigene Zines, Bücher, Platten und DVDs zu veröffentlichen.
Heute Abend haben sie zu einem Verlagsabend eingeladen, ins Needles & Pens, einem kleinen Laden, der sich "DIY Goods & Zine Shop & Art Gallery" nennt.
Der Laden ist klein, aber gut gefüllt, es sind einige hippe San Franciscians hier, alle ziemlich jung, die meisten tätowiert, einige mit Karohemden, großen Brillen und noch größeren Löchern in
den Ohren. Microcosm Publishing ist ein Verlag aus der Do-It-Yourself-Szene, und das merkt man auch.
Joe Biel, der Gründer des Verlags, stellt das ganze Projekt auf der Webseite so vor:
"We like hand-done, unique, historical, educational, cooking, bicycling, and instructive zines. We like zines containing information you'd be hard pressed to find elsewhere. We like to learn
about things we didn't know we were interested in. We like the occasional literary work. Screen printed or otherwise fancy covers are a huge plus. Creative layout never hurts either. As far as we
are concerned, cut and paste = good, magazine formatting = bad.
Neben den eigenen Veröffentlichungen sind MP auch noch immer ein Vertrieb für Zines aller Art. Und so lerne ich an diesem Abend noch einiges kennen, z.B. Yetipublishing, die Literaturmagazine Birkensnake und Watchword Press, das Electric Ant Zine (Comics), das Projekt Memoir Journal sowie den Indie-Verlag Scraped Knee.
Alles schön im Punk-Schnipsellayout oder in Handschrift - und es gibt noch hunderte weitere. Der ganze Laden ist voll damit.
Hört sich also alles sehr idealistisch an, und sehr strikt dem D.I.Y.-Ethos verschrieben. Ich bin aber doch neugierig und will ein bisschen mehr wissen, gerade über die wirtschaftlichen Hintergründe.
Und die Zahlen finde ich dann auch in der Tat erstaunlich: Microcosm veröffentlichen im Jahr ca. 12 Bücher, wobei die meisten dieser Veröffentlichungen unter 10 Dollar kosten (mal kurz: Das sind
nicht einmal 7,50 Euro!). Sie haben ein Team von 9 (!) Leuten, die alle mehr oder weniger Vollzeit in Verlag und Vertrieb beschäftigt sind. Und wenn man sich jetzt noch überlegt, dass der Verlag
seinem Vertrieb in den USA ca. 60% Rabatt abgibt, fragt man sich schon, wie das alles funktionieren soll.
Das Einzige, was da hilft, sind halbwegs hohe Auflagen, und die haben sie: Im Schnitt zwischen 3.000 und 10.000 Stück drucken sie pro Buch.
"Wir haben über die Jahre einfach eine große Anzahl an Stammlesern aufgebaut", sagt Joe Biel. "Daneben machen wir Pressearbeit und nicht zuletzt: Unsere Bücher sind einfach sehr billig, dadurch
verkaufen wir sehr viele. Am besten gehen unsere Ratgeber wie Making Stuff, Make a zine oder Make your Place, aber auch In search of the lost taste geht gerade
sehr gut, ein veganes Kochbuch von Joshua Ploeg, der auch der travelling chef genannt wird - er fährt durch die Gegend und kocht bei Veranstaltungen."
Als ich ihn auf das Thema Ebooks / Kindle / iPad anspreche, lacht er nur: "Naja, fürs Kindle etwa haben unsere Veröffentlichungen zu viele Grafiken und Bilder, außerdem kosten alle unsere Bücher weniger als 10 Dollar - und da der Ebook-Preis bei Amazon ja in der Regel 9,99 Euro ist, kaufen die Leute eben lieber unsere richtigen Bücher, die sind meistens ja sogar noch billiger." Tja, Thema abgehakt.
Zum Abschluss setzen sich alle auf den Boden, es wird noch ein Film gezeigt, der bei MP gerade auf DVD erschienen ist: Die Dokumentation "If it ain't cheap, it ain't punk" , eine Doku über Plan-it X Records, ein Label, das in den USA für die D.I.Y.-Bewegung eine zentrale Rolle spielt und mit dem der Verlag eng zusammenarbeitet.
Der titelgebende Spruch ist die Richtlinie des Labels, das seine CDs für maximal 5 Dollar verkauft (auch hier wieder: Keine Ahnung, wie sich das rechnet). Der Dokufilm zeigt die Geschichte des
Labels von 1994 bis heute, featured Interviews und Livematerial vom Labelgründer, von Bands (Against me, This Bike is a Pipe Bomb) und vor allem zeigt es jede Menge treuer Fans, die für
Veranstaltungen des Labels aus allen Teilen der USA und sogar aus dem Ausland anreisen.
Hier der Trailer zum Film:
Vieles darin ist sehr 90er-Jahre-mäßig, klar, viele Bilder sind ja auch aus den 90ern. Aber was mich an diesem Abend wirklich positiv überrascht hat, ist die Tatsache, dass es diese im Film vielbeschworene Szene hier tatsächlich bis heute noch gibt, und sie sehr aktiv und alive zu sein scheint. Beiden, Verlag und Label, scheint es dadurch möglich, ihre Projekte weiterhin so umzusetzen, wie das ursprünglich auch angestrebt war - von Musikkrise, Digitalisierung und Abwanderung ins Internet ist hier wirklich nicht viel zu spüren.
Ich esse noch schnell einen Happen von dem veganen Burrito und mache mich dann auf. "Thanks for visiting", sagt Joe. Danke ebenfalls.
So
18
Apr
2010
Daniel Beskos
Einer der Termine, auf die ich mich sehr gefreut habe, war der bei McSweeney's (hier auch die ziemlich puristische Webseite). Von Dave Eggers 1998 als Literaturmagazin gegründet, hat sich
das Projekt McSweeney's inzwischen zu einem der spannendsten, innovativsten Verlage der USA (wenn nicht sogar der Welt, würde ich behaupten) entwickelt.
Das Büro von McSweeney's liegt im Hinterhaus eines Papierladens in San Franciscos Stadtteil The Mission. Ein geräumiges Gemeinschaftsbüro, alte Holzschreibtische stehen herum, ein paar Palmen,
zwischendurch Bücherkisten und Rennräder. Einige Leute um die Ende 20, Anfang 30 sitzen verteilt im Raum, konzentriert auf Ihre Notebooks schauend. Ich bin mit Laura Howard und Chris Ying
verabredet, die als Associate Publishers den Verlag leiten. Zum Gespräch gehen wir lustigerweise in den Keller, dort stehen mehr Bücherkisten, alte Sofas, eine Tischtennisplatte. "This
is our conference room", sagte Laura.
Die beiden erzählen mir einiges über die verschiedenen Sektionen, in die McSweeney's aufgeteilt ist:
Dave Eggers, selbst als Autor bekannt (Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität, zuletzt schrieb er das Drehbuch zum Kinofilm Where the wild things are) hat McSweeney's Quarterly von einem kleinen Zine zu einem der meistgelesenen und -diskutierten Literaturmagazine des Landes aufgebaut und konnte viele namhafte Autoren mit exklusiven Texten dafür gewinnen, z.B. Denis Johnson, Rick Moody, Joyce Carol Oates, Jonathan Lethem, Michael Chabon oder T.C. Boyle. Das Magazin erscheint vierteljährlich, und spart nicht an Ausstattung: Die gerade erschienene Nummer 34 enthält noch ein Buch über die USA-Politik im Irak, beides zusammen verpackt in einem ziemlich coolen Klarsichteinband. Hier einige Bilder der letzten Ausgaben - man erkennt, wie aufwändig die Magazine sind, und dass sie sich jedes Mal in Design und Form unterscheiden:
In dieser Reihe erschien auch einer der bisherigen Höhepunkte in der Geschichte des Verlages: McSweeney's #33 - The San Francisco Panorama.
Eine einmalig herausgegebene Zeitung, in der die Macher zeigen wollten, was in einer Zeitung wirklich möglich ist und wie man in jeglicher Hinsicht Maßstäbe setzen kann: Aktuelle Themen, gründlich recherchiert, von brilliaten Gastautoren geschrieben, wunderbar gelayoutet und designt, ergänzt durch mehrere beigelegte Magazine (24 Seiten Kunst, 112 Seiten Buchreviews, 16 Seiten Comics, dazu Poster, im Kinderteil ein Bastelbogen für eine Rakete, ein Pocketplaner mit Terminen fürs Wochenende), insgesamt über 380 Seiten dick. Pure Awesomeness!
Schon vor Erscheinen im Dezember 2009 war der Rummel um diese Ausgabe groß: "Es war unglaublich", erzählt Laura, "am Veröffentlichungstag hatten wir an mehreren Stellen in der Stadt
Verkaufsplätze eingerichtet, wir hatten Mitarbeiter in bunten, erkennbaren Shirts - aber die Nachfrage war so riesig, dass wir kaum hinterherkamen. Die Leute haben uns das aus der Hand gerissen -
like warm bread, you know." Insgesamt 40.000 Stück wurden verkauft, am Release-Tag für 5 Dollar, danach für 16.
Eigentlich immer noch unglaublich, wie so etwas finanziert werden kann. Der Zeitung liegt allerdings auch ein Pamphlet bei, in dem die Kosten genau aufgelistet sind - und in dem nebenbei
noch die Theorie aufgestellt wird, das man ein solches Projekt, würde es nur in den Auflagenhöhen regulärer Zeitungen erscheinen, locker finanziert werden könne.
Hier mal die PDF mit einigen Auszügen - lohnt sich wirklich:
Ein weiterer Schwerpunkt neben dem Magazin ist der Verlag, in dem vor allem jüngere Autoren entdeckt und veröffentlicht werden. Vom Verlag her werden auch die Pressearbeit und Veranstaltungen in den ganzen USA organisiert. Und auch die großen Ketten kaufen die Bücher ein, da sich McSweeney's inzwischen zu einer starken Marke entwickelt hat, die mit jeder Veröffentlichung gewohnte Qualität und schickes Design liefert, dennoch immer Überraschungen bereithält (von der Zigarrenbox bis zur Zeitung haben sie alles schon mal gemacht) und so für Leser und also auch für den Handel interessant bleibt. Dabei kann es sich der Verlag auch leisten, sich nicht an den Frühling-/Herbst-Turnus halten zu müssen, sondern die Bücher dann rauszuhauen, wenn sie fertig sind. "Wir machen hier alles ein bisschen anders", sagt Chris.
Die beiden zeigen mir einige der letzten Veröffentlichungen, u.a. das tolle 5-eckige Schatzsucherbuch und die in Fell eingewickelte Vorzugsausgabe von Dave Eggers' Where the wild things are. Sehr schick:
Bei soviel Liebe zum Print bin ich neugierig, wie Laura und Chris die Zukunft des Buchmarkts einschätzen, wie sie das Internet nutzen und was sie vom iPad halten.
"Hast Du ein iPhone?", fragt Laura? "Wir haben ja eine eigene iPhone-App, den small chair, da bekommt man wöchentlich das neueste
aufs Handy - mal eine Kurzgeschichte, mal ein Kurzfilm, mal ein Interview."
Daneben nutzen sie Twitter, schicken einen monatlichen Newsletter und
haben eine Facebook-Fanseite (übrigens mit mehr als 11.000 Fans, nur mal zum Vergleich: In Deutschland hat kaum
ein Verlag über 1.000).
"Und iPad?", frage ich, "wird das alles umkrempeln?"
"Well", sagt Chris, "we've always been celebrating the physical print form. Natürlich kann man immer noch mehr fürs Internet machen, aber wie ich schon sagte, hier bei
McSweeney's wollen wir alles immer so machen, dass es etwas ganz Besonderes wird. Einfach nur einen Buchtext digital zur Verfügung zu stellen, wäre uns zu wenig. Man muss sich einfach etwas mehr
Zeit nehmen, um sich eine angemessene Form gründlich zu überlegen. Und es dann so machen, dass es eine cool experience für den Leser wird."
The Believer ist ein monatliches Magazin zu den Themen Bücher, Musik, Politik und Kunst. Regelmäßige Autoren sind u.a. Nick Hornby und Michel Houellebecq.
Es hört nicht auf: Mit Wolphin bringen McSweeney's ein vierteljährlich erscheinendes Magazin auf DVD heraus, das neue Kurzfilme, Dokus, Animationen und unterschätzte Tutorial-Videos enthält.
Nach dem Gespräch nimmt mich Chris noch mit auf die andere Straßenseite - unter dem Namen und der Anschrift 826 Valencia hat Dave Eggers
2002 ein Workshop-Programm für Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen, bei dem es vor allem ums Schreiben und das Erlernen der Fähigkeit geht, mit Text zu arbeiten. Chris erklärt mir, dass das
hier ein Gewerbegebiet sei und daher jeder Laden ein Verkaufsgeschäft sein müsse. Aus der Not haben McSweeney's dann eine Tugend gemacht und 826 Valencia in ein Geschäft verwandelt: Einen
Piratenladen.
Es gibt hier alle möglichen Piratenutensilien, Kisten, Karten, Schaufeln zum Schätzeausbuddeln - das Ganze ist ein Paradies für Kinder, neben mir wühlen einige in einem Sandhaufen und fördern
Perlen zutage, andere Kinder möchten etwas aus dem Laden haben, die Verkäuferin schlägt vor, dass sie zum Tausch ein Lied singen sollen. Und hier werden natürlich auch die ebenfalls
wundervoll gestalteten Bücher verkauft, die aus den Schreibprojekten der Jugendlichen entstanden sind.
Neben dem ursprünglichen Standort in SF gibt es inzwischen noch 826-Läden in New York, Los Angeles, Michigan, Seattle, Chicago and Boston. Und jeder hat ein anderes Thema als Ladengeschäft zur
Straßenseite. Hier einige Eindrücke aus dem Laden in San Francisco:
Hier entdecke ich sogar noch eine der letzten Ausgaben der Panorama-SF-Sonderausgabe - sofort stellt sich das seltene Gefühl ein, dass man etwas Tolles geschenkt bekommen hat, obwohl man es bezahlt hat. Grinsend laufe ich aus dem Laden - und direkt an Dave Eggers vorbei. Der war dann heute also auch hier. Er hat sicher viel zu tun.
Di
13
Apr
2010
Daniel Beskos
Die Sonne knallt, ich bin wieder zu Besuch in Oakland und bestell bei Fentons einen "kleinen Eisbecher". Es kommt: Ein Eimer. Das sollen zwei Kugeln sein? Ich lege mich ins Zeug.
Anschließend treffe ich Jordan und Justine Hurder, die vor 2 Jahren zusammen den Verlag Chance Press gegründet haben.
"Small press, big plans" lautet der Claim auf der Webseite.
Chance Press veröffentlicht ausschließlich handgemachte Bücher in Kleinstauflagen - zwischen 80 und 150 Exemplare sind es in der Regel. Ziel ist es, in der Herstellung moderne Druckmethoden mit traditionellen Techniken wie Handpresse und Fadenheftung zu kombinieren. Veröffentlicht wird dabei, was den beiden gefällt - mal sind es Gedichte, mal Essays, mal eher Comicartiges.
Sie haben mir einige der Bücher mitgebracht, teilweise wirklich aufwändige und arbeitsintensive Stücke, bei denen sie alles selbst machen - von Lektorat und Satz über Gestaltung, Papierwahl bis Druck und Bindung:
Meist gibt es von jedem dann Vorzugsausaben, als Hardcover z.B., oder in einem Schuber, fast immer signiert.
"In den USA ist Handgemachtes gerade wieder sehr im Kommen", erklärt mir Justine, "Schmuck, Einladungskarten, Schokolade, alles mögliche. Die Leute haben oft keine Lust mehr auf Massenware. Und wenn man etwas Handgemachtes kauft, kauft man ja nicht nur das Buch, sondern auch die Geschichte dahinter. Da hat jetzt wirklich jemand dran gesessen, das ne Stunde lang bearbeitet und geschwitzt. Daher ist uns auch der herstellerische Aspekt so wichtig, der macht für uns 50 Prozent des Buches aus."
Ich frage die beiden nach Ihrer Ansicht, wie es mit dem Buchmarkt wohl weitergeht. "Taschenbücher sind wie McDonalds Burger - ich hätte kein Problem damit, wenn es die eines Tages nicht mehr geben würde", sagt Jordan. Wir lachen.
Too Powerful a Thing to Reject: Charles Bukowski’s Transition Years, 1945-1957 by Abel Debritto. Hardcover-Deluxe Edition. (c) www.chancepress.com
Justine erzählt, dass die Texte, die sie veröffentlichen, "irgendwie so" reinkommen, Manuskripteinsendungen nehmen sie jedenfalls keine an. Viel kam anfangs z.B. über eine Bukowski-Webseite, auf der die beiden aktiv sind, das waren dann etwa Texte von alten Bukowski-Freunden oder auch Essays über den Schriftsteller. Die verwendeten Illustrationen kommen, wenn sie sie nicht selbst machen, von befreundeten Comic-Zeichnern.
Und wie seht ihr die Digitalisierung des Buchmarktes?
"Naja", sagt Justine, "zwei Drittel unserer Kunden haben wir über unsere Webseite - von daher ist das Internet eigentlich eine sehr gute Chance für kleine Verlage wie uns".
"Wobei", meint Jordan, "wir da wirklich mal mehr tun müssten, einen richtigen Shop aufsetzen zum Beispiel - wir sind bisher auch im Internet fast ausschließlich in einem kleinen Netzwerk von Leuten bekannt, die sich gegenseitig über verschiedene Projekte kennen. Da gibts noch jede Menge zu professionalisieren, aber ehrlich gesagt interessiert uns das nur zweitrangig. Wir wollen einfach Bücher machen".
Einen anderen Aspekt, der gerade für Chance Press mit ihren handgefertigten Projekten wichtig ist, erwähnt Justine noch: "Man lernt im Internet einfach wahnsinnig viel. Es gibt Video-Workshops zum Büchermachen, zu Papiersorten, zur Verarbeitung usw. Ohne das Internet müssten wir alle diese Dinge langsam und mühsam selbst recherchieren."
Ich werfe ein, dass das Ganze mit so kleinen Auflagen, wie Chance Press sie machen, eigentlich doch immer selbstausbeuterisch bleibt, oder?
"Ja, vielleicht drucken wir irgendwann auch mal richtig, in einer On-Demand-Druckerei zum Beispiel", überlegt Jordan.
"Was, On-Demand?", Justine wird etwas lauter, "das würden wir nie machen! Eher gebe ich irgendwann meinen Job auf, damit ich den ganzen Tag Bücher machen kann."
Ihre Augen blitzen, Jordan lacht. Da hat sie auch wieder Recht.
So
11
Apr
2010
Daniel Beskos
Meine Hausmitbewohner in Berkeley machen große Augen, als ich erzähle, dass ich nach Oakland will, um den Magazinladen Issues zu besuchen: "You know, Oakland can be quite a dangerous place", sagen sie. Nun ja, es ist mitten am Tag, ich will dort von der S-Bahn die Hauptstraße runterlaufen und dann in einen Magazinladen rein, das wird man doch überleben, oder? Zur Vorbereitung schaue ich mir schnell noch ein zwei Videos an.
In Oakland also die Straße runter, und schon bald bin ich da:
Issues ist eigentlich nur ein großer Kiosk, aber mit einer unglaublich reichhaltigen Magazinauswahl - von allen großen US-Magazinen wie Time Magazin oder The Economist über alle möglichen Punk-Fanzines reicht die Auswahl, sogar einige deutsche Zeitschriften wie ZEIT oder NEON haben sie da ("Neon kauft aber nie jemand..."). Dazu gibt es ausgewählte Bücher, Vinyl-Alben und anderes.
Noella & Joe - (c) Issues
Joe und Noella haben den Laden vor 3 Jahren gegründet, nachdem sie keine Magazine fanden, die sie gerne lesen wollten und daraufhin beschlossen, einfach selbst einen Magazin-Laden zu eröffnen.
Ich werde wahnsinnig herzlich begrüßt und gehe dann mit dem wahnsinnig sympathischen Joe in einen Mexican Diner gegenüber - ein Laden, der mit seinen braunen Hockern, der Jukebox und den alten Anzeigen als Tischdecken aussieht wie aus einem 70erJahre-Film rausgeschnitten.
Joe, der auch Musiker ist und schon ein paar Mal zu Konzerten bei der Transmediale oder der Ars Electronica in Europa war, erzählt, dass es ihm eigentlich darum geht, möglichst viel ungewöhnliches Zeug unter die Leute zu bringen: "Weißt Du, wir haben hier viele normale Leute in der Nachbarschaft, Fischer, Maurer, alte Leute, daher verkaufen wir alles mögliche, von der Fernsehzeitung bis zum Punk-Fanzine."
Und wie finden sie die Sachen, die sie anbieten?
"Bei den Fanzine-Machern ist es meistens so, dass die zu uns in den Laden kommen. Manche kommen auch nur einmal, danach gibts das Magazin schon nicht mehr. Das ganze offizielle Zeug bekommen wir meistens von unserem Vertrieb. Daneben gibt es dann auch noch Großhändler wie Last Gasp Distribution, da können wir als Ladenbetreiber mit 40% Rabatt einkaufen."
Last Gasp, so erklärt mir Joe, habe alles mögliche, man schiebe da seinen Einkaufswagen durch die Regalreihen und packe stapelweise Magazine und Bücher in den Wagen, Underground-Comics, Hippie-Zeug, Rock- und Tattoo-Magazine und all sowas. Hört sich für mich sehr nach Fegro oder Metro an, aber eben für Magazine. Skurrile Vorstellung.
"Aber naja", meint Joe, "nackte Mädchen auf Motorrädern, das verkauft man natürlich, aber das ist mir n bisschen zu einfach. Ich stelle in unser Schaufenster vor allem das außergewöhnliche Zeug, The Believer, Cometbus und sowas, und es ist schon lustig, die Passanten manchmal durch die Scheibe zu beobachten, wie sie verwundert die Stirn runzeln – aber darum geht’s ja auch: Dass auch die Kunden aus der Nachbarschaft all diese interessanten Magazine wahrnehmen."
Cometbus, das ist mir jetzt schon ein paar Mal begegnet, ich frage also genauer nach: Aaron Cometbus ist in der Bay Area omnipräsent, hat in einer endlosen Anzahl an Bands gespielt und, für diverse Punkfanzines geschrieben und mittlerweile über 50 Ausgaben seines handgeschriebenen Zines rausgegeben, in dem es fast durchweg um Punkrock, Liebe und die persönlichen Befindlichkeiten seines Herausgebers geht.
"Aaron Cometbus is a force of nature, man!", sagt Joe, ergänzt aber auch, dass der Erfolg nachvollziehbar sei, da das Magazin - im Gegensatz zu vielen anderen - auch wirklich gut gestaltet sei und mit 3 Dollar ausgesprochen günstig. "Wobei ich es inhaltlich nicht so besonders finde…", sagt er noch.
Auch, wenn es manchmal schon fast etwas kitschig Nostalgisches habe, die Idee, ein eigenes Fanzine zu machen, sei für viele hier in der Gegend einfach weiterhin sehr interessant. "Ich habe manchmal den Eindruck" sagt Joe, während er in seine Tacos beisst, "es gibt fast sowas wie eine Indie-Checklist: You know, ride a bike, have a tattoo, be in a band, make your zine – es gehört einfach dazu.“ Deshalb gebe es ja auch so viele Fanzines hier in den USA (und sei es auch nur sowas wie I hate my life #7) - das habe einfach mehr diesen mysteriösen Punk-Mythos als lediglich zu sagen: Ich schreibe einen Blog.
Obwohl andererseits, fällt ihm auf, jetzt mehr und mehr Blogger auch Buchverträge kriegten - Thereifixedit oder Stuffonmycat etwa.
Wie geht's also weiter in den nächsten Jahren?
"Der Zeitungsmarkt macht's jedenfalls nicht mehr lang, denke ich", meint Joe.
In den USA sei die Situation jetzt schon ziemlich katastrophal, erklärt er mir, das hänge aber nicht so sehr mit der Digitalisierung zusammen, sondern auch mit der wirtschaftlichen Situation.
Einige Zeitungen werden sicher Bestand haben, so etwa die New York Times – diese hat z.B. eigene Druckereien auch an der Westküste der USA, da
sonst der Transport von New York gar nicht bezahlbar wäre. Für kleinere Zeitung ist so etwas aber zu teuer, was dazu führt, dass z.B. die L.A.
Times in San Francisco schon fast nicht mehr zu kriegen ist, weil es sich für keinen in der Vertriebskette lohnen würde.
Und auch bei den bestehenden Vertriebssystemen sägen viele Zeitungen und Zeitschriften am eigenen Ast: In den USA gibt es z.B. derzeit eine Diskussion über die großen Magazine, denen vorgeworfen
wird, dass sie im Abo viel zu billig sind – eine Einzelausgabe des Time Magazine kostet zum Beispiel 4,95 Dollar, das Jahresabo (56 Ausgaben!)
kostet nur 20 Dollar. Das bringt alle Leser dazu, nur noch im Abo zu bestellen, was wiederrum natürlich auch schlecht für die Kiosks und Buchläden ist.
Zum Thema iPad & E-Books meint Joe nur lapidar: „All I know is that you don’t see people break into cars to steal books“.
Dann läuft es seiner Meinung nach also drauf raus, dass qualitativ hochwertige Magazine und Fanzines eine Zukunft haben, auch in gedruckter Form? Joe nickt: "Magazine, die wird’s noch lange
geben, das lieben die Leute einfach wegen der Beschaffenheit, wegen des Papiers, wegen des Moments, in dem man das Ding aus dem Laden trägt.“
Dann grinst er, und wir gehen zahlen.
Später komme am ich dann zufällig noch am "Bound Together" vorbei, einem anarchist collective bookstore - noch so ein Laden, den es bei uns vermutlich eher nicht mehr gibt. Typisch für Haight Ashbury, San Franciscos Hippieviertel, ist der Laden vollgestopft mit politischen und literarischen Magazinen und Büchern aus den Themenfeldern Punk, Anarchie, Sozialismus, Feminismus, Queer-Studies usw., die Farbe rot herrscht vor und die Decken und Wände sind gepflastert mit Postern und T-Shirts. Irgendwie hatte das natürlich etwas ziemlich Rückständiges, andererseits strotzt der ganze Laden so vor Vitalität, dass man wirklich zu dem Schluß kommen könnte, dass alle diese Themen hier auch wirklich aktiv gelebter Teil der Gesellschaft sind. Das wär ja was. "Die populäre Buchkultur wird immer monotoner, da wird überall die Nachfrage groß nach speziellen Sachen" erzählt mir einer der Betreiber. "Spezialisierung ist die Zukunft, es gibt jetzt schon viele Läden, die nur Zines & Magazines machen, und natürlich auch Comics & Graphic Novels.” Dann erzählt er aber noch, dass der Laden als kollektiv betriebenes Projekt nicht wirtschaftlich sein muss, daher hat man hier natürlich etwas mehr Freiheiten als anderswo.
Danach trinke ich meine erste Dr. Pepper Cherry Coke seit gefühlten 15 Jahren. Schmeckt super. Der Kapitalismus hat mich wieder.
Mo
05
Apr
2010
Daniel Beskos
"Independent Publishing in den USA" - dazu will ich in den nächsten Wochen einen Einblick bekommen. Natürlich soll es vor allem um die Verlage und Magazine gehen und ihre Sicht auf die aktuelle Entwicklung des Buchmarktes: Ist es nicht gerade im technologiebegeisterten Kalifornien schwierig, sich gegen Kindle und iPad auf Dauer mit gedruckten Büchern bei den Lesern zu halten?
Los ging's heute in Berkeley, meiner ersten Station. Jetlagbedingt war ich natürlich viel zu früh auf den Beinen und hatte daher Gelegenheit, noch auf den Campanile auf dem Gelände der renommierten University of California zu steigen, von dem man eine großartige Aussicht auf die Bucht von San Francisco hat:
Bevor ich mit Verlegern spreche, war heute erstmal ein unabhängiger Buchladen dran:
Moe's Books in Berkeley, seit 51 Jahren einer der wichtigsten Buchläden in der liberalen Universitätsstadt, der auch vor allem in den Sechziger Jahren einer der zentralen Punkte für alle
aktuellen Themen der Studenten war, Vietnam, Hippietum, usw.
Moe's verkauft neue und gebrauchte Bücher und war der erste Laden, der für gebrauchte Bücher feste Preise zahlte und die bis dahin übliche Zahlung nach Gewicht ablöste. Und auch einige Mitarbeiter des Ladens haben literarische Karriere gemacht - so erschien etwa der erste Roman von Jonathan Lethem, als er noch hauptsächlich Bücher bei Moe's verkaufte.
Der Laden hat 4 Stockwerke und bietet eine endlose Auswahl, schon allein die Abteilung Poetry ist sehenswert - die Bedeutung von Lyrik ist eben gerade in der Heimat der Beats noch eine andere als in Deutschland.
Inhaberin Doris Moskowitz, die Tochter des Gründers, reagiert sehr entspannt, als ich sie nach Ihrer Sicht auf die Situation im Buchhandel frage. "In Berkeley, people love books" sagt sie, natürlich verfolge man die Entwicklung des Ebooks mit Interesse, aber sie glaube nicht, dass sich da so viel tun werde. Zumindest nicht im akademischen Umfeld Berkeleys, wo Bücher in ihrer gedruckten Form einfach viel zu essentiell seien. "Und man muss auch sagen, dass die Form Buch wirklich ziemlich perfekt ist - ohne Strom oder Internetzugang, immer verfügbar" ergänzt sie noch. Naja, bei einer Buchhändlerin hätte jede andere Aussage auch verwundert.
Interessanter ist dann doch eher die Tatsache, dass das moderne Antiquariat bei Moe's die Haupteinnahmequelle ist und sie sich deshalb leisten können, nur ausgewählte neue Bücher ins Sortiment aufzunehmen. "Die Bestseller der New York-Times-Liste gehen hier aber eben auch nicht immer gut", von manchen (z.B. der letzten Michael Jackson-Biographie) hätten sie nur 2 Stück verkauft, von außergewöhnlichen Indie-Produktionen wie etwa der wunderbaren San Francisco-Sonderausgabe der Panorama (herausgeben von Dave Eggers' Verlag McSweeney's) sind es dagegen schon mal 250 Stück (allein bei Moe's!), obwohl Panorama für eine Zeitung ziemlich teuer ist - 16 Dollar nämlich.
Im amerikanischen Buchsystem gebe es übrigens 3 Buchformen, erklärt mir Doris: Hardcover, Taschenbuch und Quality Paperback - letzteres sind in kleineren Auflagen und besserer Qualität gedruckte Taschenbücher, oft mit aufwändigerer Bindung und Klappen. Vor allem von diesen verkaufen sie bei Moe's viele, da sie einfach billiger sind als Hardcover (und Hardcover im englischen Buchmarkt sowieso längst nicht so eine Rolle spielen wie in Deutschland). Ebooks oder wenigstens eine Beratung zu Ebooks gibt es übrigens bei Moe's nicht (trotzdem macht der Laden kein Stück den Eindruck, hinterm Mond zu sein, sondern ist wirklich eine gut sortierte moderne Buchhandlung).
Bei Moe's also von der Digitalisierung noch nicht viel zu merken. Und auch sonst scheint in Berkeley ziemlich heile Welt - viele Einzelhändler, auch einige weitere unabhängige Buchhändler entdecke ich in der Telegraph Avenue und den umliegenden Straßen.
Zum Mittagessen gehe ich in einen der vielen um den Campus gelegenen Läden, es gibt das, was die Amerikaner Healthy Food nennen, was bei uns aber einfach frische Burger mit Pommes sind. Und auch, wenn es ein alter Hut ist, aber die Intensität, mit der die Studenten ihr beliebtestes Füllwort benutzen, ist wirklich umwerfend: "I was like so amazed, and she was, like, it's like really good."
Sa
27
Mär
2010
Daniel Funke hat einen schönen kurzen Foto-Film vom 1. Ham.Lit-Festival erstellt - schöner Eindruck für alle, die nicht dabei waren: